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Sie sitzen verloren in der Straßenbahn oder in einer Bar. Sie schlurfen oder trotten langsam und mit gesenktem Kopf auf dem Gehsteig oder durch die Fußgängerzone. Sie gehen langsam und nirgendwo hin. Traurig wirkt der Eindruck auf ihrem Gesicht, manchmal ein bisschen leidend, aber nie um Mitleid bettelnd. Sie starren durch das Straßenbahnfenster ins Nichts oder vor ihre Füße. Vor die Füße, die sie langsam tragen. Selten heben sie ihren Blick und noch seltener treffen sie einen damit. Sie starren durch einen hindurch, falls überhaupt. Was sie umtreibt ist verschieden. Der Tod eines Menschen, der ihnen nahe stand. Oder Trauer um den Verlust einer Liebe. Manchmal nichts konkretes. Eine Stimmung, ein Lied, eine Nachrichtenmeldung. Vielleicht eine Krankheit. Oder jemandem weh getan zu haben. Vielleicht nicht die Wahl gehabt zu haben, niemandem weh zu tun. Vielleicht ein Dilemma, bei dem man mindestens einer Person weh tun musste, die einem nahe war. Trotz all der etwaigen Abgestumpftheit hat sie etwas getroffen. Sie sind traurig. Manche für eine kurze Weile, manche länger. Manche für immer. Sie können nicht sehen, dass die Welt noch nicht alle Schönheit verloren hat. Und selbst wenn sie es können, vertreibt es ihre Trauer nicht. Man sieht sie manchmal. Manchmal im Spiegel. Und obwohl man es von Herzen gern möchte…nie kann man ihnen sagen, dass die Welt noch nicht alle Schönheit verloren hat.

So viele Bücher zu lesen, soviel Musik zu hören, so viele Filme zu schauen…und doch gibt es diese Tage an denen man an nichts Spaß oder zumindestens Interesse entwickeln kann. Gleichzeitig plagt einen das schlechte Gewissen, da nix tun trotz überquellender Aufgabenliste und tonnenweise freizeitfüllenden Materialien sich nicht richtig anfühlt.

Is there really an „Importance of being idle“?

Es gibt Momente da hält man inne. Bei nicht-alltäglichen Erfahrungen zum Beispiel. So geschehen heute, nach einem Seminar mit anschließender Debatte zum Thema Konstruktivismus. Nach einer aufreibenden und interessanten Diskussion, tritt man in Gesellschaft einiger anderer Seminarteilnehmer den Heimweg an und führt die Diskussion ein wenig fort. Diffuses Licht einer Straßenlaterne flackert auf den Gehsteig, ein Zug an der Zigarette und plötzlich hält die Welt für einen Wimpernschlag den Atem an. Wie in einem Panorama-Standbild sieht man sich die Umgebung an, wie in Zeitlupe ziehen die Gedanken am geistigen Auge vorbei…und kurz, nur ganz kurz schafft es der überbordende Verstand dem Körper eine intensive Erfahrung zu vermitteln. Einen relativ unspektakulären Gedanken, der sich für einen kurzen Moment aus dem Geist losreißt und in alle Richtungen übergreift.

Wenn der Verstand die Sinne zwingt, sich der Idee des Konstruktivismus eine Sekunde lang hinzugeben und man die Relativität, die in jeder sinnlichen Wahrnehmung der Außenwelt steckt, SEHEN kann. Was eigentlich abstrakter Gegenstand des Geistes sein soll, wird für einen winzigen Augenblick zum Erlebnis.

Angst, kalte Angst steigt auf und für den Bruchteil einer Sekunde wird die Grenze zum Wahnsinn, vielleicht aber auch zur objektiven Wirklichkeit spürbar. Wie die Dinge wirklich sein könnten, ohne die eigenen, menschlichen Anschauungskategorien…man fühlt sich diesem unfassbaren Zustand eine hundertstel Sekunde ein kleines Stück näher.

Die wahrnehmbare Realität drängt zurück ins Bewusstsein, schlagartig verschwindet diese ganz andere Art der Weltsicht und man zweifelt einen kurzen Augenblick an sich selbst…man wäre sich sicher, dass alles nur kurz vor sich her fantasiert zu haben (hat man vermutlich auch), aber das Gefühl der Angst und die Erinnerung an diese Sekunde verblassen nur langsam und man ist sich sicher, dass man gerade irgendetwas kaum beschreibbares erfahren hat…ohne zu wissen was es gewesen sein könnte.

Vielleicht ist es so etwas, dass jemanden wie Platon seinerzeit dazu veranlasste, zu behaupten man könne den innersten Kern seiner Lehre weder niederschreiben noch erklären, sondern nur erfahren.

Beängstigend…

…aber zutiefst beeindruckend, was die Philosophie mit einem anstellen kann.

…auch die Monatskalender vor wenigen Wochen. Ein neues Jahr zieht heran und gibt einem die Möglichkeit etwas Neues zu beginnen. So soll es auch hier geschehen, wobei ich die lange Zeit als Gelegenheitsblogger an einem größeren Projekt durchaus entspannend fand. Wollen wir sehen, ob’s auch im Alleingang noch klappt, ob in der mittlerweile unendlich komplexen Blog-Landschaft noch ein Quadratzentimeter Platz übrig ist:

Herzlich Willkommen und viel Spaß!

… „Klappe und Action“

Ordnungen zweiter Art

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