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…ist vielleicht meine (durch soziale Verpflichtungen bedingte) merkwürdige Filmauswahl. Statt Einzelbeiträge nun ein Monatsrückblick auf den Januar:

ControlControl: Wurde ohnehin schon überall verhackstückt…daher möchte ich mich damit begnügen, dieser Meinung diametral gegenüberzustehen. Control ist bei weitem nicht das ausführlichste Biopic aller Zeiten. Diesen Anspruch hat Corbijn auch überhaupt nicht gehabt. Aber neben wunderschön-melancholisch gefassten Schwarz-Weiß-Aufnahmen sticht vorallem das Gefühl hervor: Es wird deutlich, dass da ein junger Mann (Ian Curtis – hervorragend gespielt von Sam Riley) lebt, der natürlich gerade an nahezu banalen Alltagssituationen zugrunde geht. Dem eben gerade das uns alltäglich gewordene Elend die Stimmung von melancholisch zu depressiv runterbricht: Kaputte Beziehungen, die Zerrissenheit zwischen Pflicht und Wünschen und letzten Endes auch die Erkenntnis über eigene Unzulänglichkeiten, die eine Lösung einiger Situationen unmöglich werden lässt, zerreissen hier einen sensiblen Menschen, dem die Kraft fehlt sich dauerhaft dagegen zu wehren oder auch nur stillschweigend zu resignieren.

Die bewegten Bilder des Films schaffen es auf einzigartige Art und Weise, englische Tristesse und gleichzeitig die sonderbare Ästhetik der selbigen umfänglich wiederzuspiegeln. Durch den Stil kann man sich wunderbar mit Ian Curtis offensichtlichem Gefühlsleben identifizieren. Wut, Trauer, Krankheit, Unglück…und dabei eine Welt die ihm, genau wie dem Zuschauer eigentlich nur zweifarbig erscheinen kann.

Wachsender Leidensdruck, aber auch Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber, dass ihn zerstört, demonstriert Curtis-Darsteller Sam Riley mehr als eindrucksvoll. Musikalisch fügen sich die Songs von Joy Division nahtlos in das düster-stimmungsvolle Gesamtbild ein, dem die Schönheit aber niemals verloren geht…:Sollte man dringend mal gesehen haben.

I am legendI am Overrated Stupid Legend: Endzeit-Szenarien reizen. Zumindestens meine Person. Richard Mathesons Werk „I am Legend“ bildet da keine Ausnahme, sondern eher ein positives Beispiel: Stimmungsvoll und mit durchaus gesellschaftskritischen Zwischentönen konnte Mathesons Geschichte um den letzten Menschen in L.A. durchaus gefällig wirken.

Nach positiven Kritiken, die in der neuesten Verfilmung mit Will Smith wesentlich mehr sehen wollten als eine dumpfe Hollywood-Verhackstückung, kam fast sowas wie eine Erwartungshaltung auf, die im Kino stückweise der Enttäuschung weicht: Die aktuelle Verfilmung von Francis Lawrence startet zwar passabel, verkommt aber dann zusehends zu Plattitüden-Kino.

Durchaus imposant gibt sich der Anfang. Das Setting wurde in ein menschenleeres New York verlegt, in dem die Natur langsam aber sicher ihr Territorium zurückerobert. Tiere streifen durch die Straßen…und ein Mann ebenfalls: Robert Neville (Will Smith), ein Charakter an dem anfangs nur negativ aufstößt, dass er offenbar viel Zeit zur Pflege seines Autos aufzuwenden scheint.

Überraschenderweise gibt sich Will Smith kaum eine Blöße und schafft es dem Charakter über den Film hinweg ein reiches Spektrum an Emotionen zu verleihen, die einen Mann zwischen Entrücktheit, erzwungenem Alltag und Hoffnung/Hoffnungslosigkeit zeigen, der zudem geschickt versucht, nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen.

Soweit die positiven Aspekte des Films: leeres New York und solide aufspielender Will Smith.

Der Rest ist leider eher Geschichte denn Legende: In Rückblenden erfährt man, dass die Menschheit glaubte ein Heilmittel gegen Krebs erfunden zu haben, dass allerdings „in freier Wildbahn“ einen Großteil eben dieser Menschheit auslöschte und die meisten Überlebenden in UV-Licht-anfällige Zombie-Vampire verwandelte, die nur noch ihren Fress- und Jagdinstinkten folgen. Auch Nevilles Leben wird rekapituliert: Ein Archetyp von Helden-Amerikaner, Patriot, hochdekorierter Wissenschaftler beim Militär, guter Christ, liebevoller Familienvater…es wird einem fast schlecht bei der Überzeichnung dieses Helden/Gutmenschenprototyp.

Nach der interessanten Eingangspassage die Nevilles einsamen Alltag demonstriert, beherrscht gähnende Langeweile und noch mehr kitschiger Pathos die restliche Kinostunde. Einzig zwei dramaturgisch gekonnt inszenierte Scharmützel zwischen den (mäßig kreativ gestalteten) Mutanten und Neville vermögen noch zu gefallen; Nevilles Suche nach einem Gegenmittel, sein mäßig inspiriertes „Ground Zero“-Gestammel bei erstbester Dialogmöglichkeit, das tolle Happy-End (inkl. neuenglischer Dorfidylle mit Kirche) verlieren sich irgendwo zwischen den Kategorien „belanglos“ und „nervtötend“.

CloverfieldCloverfield: Durch clevere Pressearbeit schafften es J. J. Abrams und Paramount eine Art Spekulationshype in den Medien hervorzurufen und auch der geheimnisvolle Trailer hatte durchaus eine Menge Flair.

Das Endresultat ist allerdings derart schlecht, dass man dazu kaum Worte verlieren möchte und muss. Die Story ist schnell erzählt: a) Rahmenhandlung – Mann nimmt Job in Japan an, Freunde schmeissen Überraschungsparty für ihn, Streit mit Ex-Freundin, diese geht…alles dokumentiert mit der Handkamera. b) Binnenhandlung: Monster greift New York an, Partymeute hetzt durch Manhattan um vorhin gegangene Ex-Freundin zu retten, während die Hölle los ist.

Das ganze wird lediglich aus einer wackligen Handkamera-Perspektive gezeigt, wobei der Kameramann entweder blind, sternhagelvoll oder beides ist, da er nahezu nie die interessanten Bilder einfängt. Das man da nach 5 Minuten Kopf- und Augenschmerzen hat, verwundert nicht weiter.

Spannung kommt für maximal 2 mal 2 Minuten auf und ebbt dann jeweils rasant ab. Hintergrundgeschichte zu irgendwas (Monster, Charaktere oder sonstwem) ist de facto nicht vorhanden…die Schauspieler scheinen lustlos ihre schwammigen Statistenrollen abreißen zu wollen und in einigen Einstellungen spielt man mäßig geschmackvoll mit 9/11-Erinnerungen und Bildern (z.B. die herannahende Staublawine).

Wer ein Ödnis wagen will und sich sonst nie zum Erledigen seiner Steuererklärung (Taschenlampe nicht vergessen!) aufraffen kann, hat locker eine Stunde Zeit: Nach 25 Minuten war das Kino nahezu leer und ohne meine Trägheit wäre ein weiterer Platz frei geworden.

Ein uninspirierter Godzilla-Abklatsch, mit schlecht eingesetztem Handkamera-Stilmittel…da wäre ein Besuch in Kleefeld eine spannende Alternative!

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Die erste Single-Auskopplung des neuen Albums (s. Video) dürfte ja schon dem Einen oder Anderen untergekommen sein. Und in der Tat, dass zweite Album der Editors weiß auch darüberhinaus zu gefallen…wenn auch nicht mehr ganz so sehr wie das erste (The Back Room). Sind die meisten Beschreibungen von Vergleichen gekennzeichnet, so muss auch ich zugeben, dass eine gewisse nähe zu diversen New-Wave-Bands der 80er, aber auch Einflüsse britpopiger Natur neueren Datums nicht ganz abwegig sind. Souverän schlängelt sich die Band um Tom Smith auch im neuen Album durch unkartografiertes Terrain, irgendwo zwischen Joy Division und Keane, Interpol und R.E.M., manchmal sogar mit diversen Ausschlägen, die an Bands wie die Psychedelic Furs erinnern.
So begeistern die zehn Tracks des Albums dann auch überwiegend. Nach dem gelungenen“Smokers Outside The Hospital Doors“, in dem man das Piano im Refrain so elegant einpflegt wie es sonst nur Muse vermögen, zeigen die Jungs aus Birmingham, dass es auch noch eine Spur düsterer geht. „An End Has A Start“ gibt sich schwer was den Text angeht, schafft aber elegant den Weg zurück zum melancholisch-schönen Chorus.
Aber auch Uptempo-Nummern wie „The Racing Rats“ wirken gekonnt und können dank einem unterschwellig und melodisch-finsteren Piano eine durchaus eigene Note aufweisen, die einen wieder an besagte New-Wave-Einflüsse erinnert.
Rundheraus: „An End Has a Start“ beweist durchaus die Klasse der Editors, die sich mit ihrem zweiten Album einen souveränen Platz im Bereich der qualitativ hochwertigen (Rock-)Musik sichern. Der Beweis, dass „The Back Room“ nicht nur ein zufällig gelungenes Debütalbum war, dürfte hiermit erbracht sein. Kopieren tun die Editors niemanden, vielmehr bleiben sie ihrem bekannten Stilgemisch treu, entwickeln dabei aber eine Vielzahl an Facetten, die auch Kennern aller Einflüsse noch viel zu bieten hat und durchaus gefallen dürfte.
Schwer zu definieren ist, warum „An End Has A Start“ nicht ganz an „The Back Room“ herankommt. Vielleicht ist es das innovative Moment, das beim zweiten Album nicht mehr ganz so deutlich hervortritt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die Richtung der Editors klarer geworden ist, die während des ersten Albums noch mehr Raum für Spekulationen ließ.
Den Kauf ist dieses Album auf alle Fälle wert und ein mehr als konsequenter Nachfolger mit einigen Überraschungen ist es allemal. Wenn man sich auch nur im Entferntesten mit englischen Gitarrentönen anfreunden kann, sollte man dieses Album definitiv nicht verpassen…bei mir läuft es mittlerweile beinahe täglich!

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